Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, die Gedanken des vergangenen Sonntages noch einmal zu studieren und einwirken zu lassen, während wir uns bereits auf den nächsten Sonntag vorbereiten! An dieser Stelle sollen nicht einfach nur Predigten veröffentlicht werden, sondern die Überlegungen zu einem Predigtthema immer eines anderen Priesters unserer Pfarreien St. Maximilian und Heilig Geist zum Nachlesen ermöglicht werden. Vielleicht ist da ein Satz oder eine Idee, die Sie die ganze Woche begleiten kann. Immer nach einer Woche wird dann dieser Text von der Website heruntergenommen und mit einem neuen Text aktualisiert. Wir wollen immer möglichst nah dran sein am letzten Sonntag und dafür danken allen Geistlichen unserer beiden Pfarreien, die sich an diesem Dienst für Sie beteiligen.

13.01.2019

Der Erlöser kommt zur Taufe

Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres. Wir blicken gespannt, vielleicht auch ein wenig skeptisch auf die zwölf Monate, die vor uns liegen. Das Lukasevangelium berichtet ebenfalls von einem Neubeginn, von einem Weg, der in eine große Aufgabe führt. Es ist der Bericht von der Taufe Jesu.

Seltsam: Jesus, in dessen Namen wir als Kirche heute taufen, reiht sich ein in die Schlange derer, die sich durch das Untertauchen im Jordan einen Neubeginn schenken lassen wollen. Untertauchen, das heißt: etwas stirbt. Der alte Mensch, mit seinen Irrtümern, seinen Fehlern, mit all der unbewältigten Schuld, bleibt zurück. Ein neuer Mensch steigt aus den Fluten auf. Untertauchen, das heißt auch: Ich werde gewaschen, gereinigt. Ein neuer Anfang ist möglich. Das Blut, die Tränen, die Trauer sind abgewaschen, fort. Wunderbar, dass Gott in der Taufe dieses Angebot macht, ein Angebot für alle, die neue Wege zu Gott hin suchen wollen.

Wozu aber braucht Jesus die Taufe? Wohin muss der umkehren, der doch seine Wege schon immer mit Gott an der Seite geht?

Die Dreifaltigkeit wird sichtbar in der Welt

Diese Frage behandelt der Evangelist nicht – obwohl doch in dieser Begegnung von Johannes und Jesus Gelegenheit gewesen wäre, dass Jesus seinen Auftrag erklärt. Aber nein, nur Johannes spricht zu den Wartenden bescheiden über seine Beziehung zu Jesus: „Ich taufe euch mit Wasser, aber nach mir kommt einer, der ist stärker als ich, der wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen.“ Johannes und Jesus agieren seltsam aneinander vorbei – das eigentliche Gegenübertreten wird gar nicht erwähnt. Spannend an der Taufschilderung durch den Evangelisten Lukas ist, dass das Entscheidende nach einem Gebet geschieht – nach Jesu Gebet im Anschluss an die Taufe:

Der Himmel tat sich auf – so nennt es Lukas –, ein Kommunikationskanal zur Dimension des Göttlichen wird geöffnet, der Heilige Geist wird sichtbar und verbindet sich mit Jesus in Gestalt einer Taube, und hier endlich wird auch von göttlicher Seite gesprochen, in der innigen Anrede mit „Du“ heißt es: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“.

Damit wird klar: In der bedingungslosen Solidarität mit den Sündern, im Mit-Gehen zur Taufe und im Erhören des Gebetes bezeugen Gott Sohn und Gott Vater in der Wirkung des Heiligen Geistes zum ersten Mal die Erlösung, die sich dreieinig vollzieht. Das Entscheidende an unserem Text ist kein Dialog zwischen Jesus und Johannes, sondern das Beziehungsleben der Dreifaltigkeit, das vor allem Volk am Jordan erlebbar wird.

Aus diesem Geschehen in der Trinität speist sich die Hoffnung für unser heutiges Taufhandeln: Auch hier kommen – wie bei Jesu Taufe im Jordan – das sichtbar fließende Wasser und das Gebet zusammen. Und wir glauben: Der Heilige Geist fließt auch heute unter dem Wort Gottes, das hörbar verkündet wird. Dies ist der Zuspruch der Taufe: Wir bekommen Kraft für den Weg durch unser Leben durch das Mit-Gehen Gottes im Geist.

Was sollen wir tun?

Wie aber ist es mit der Taufe durch Feuer? Feuertaufe durch Jesus, das meint seinen Anspruch auf unser Leben, meint den Ruf in die Nachfolge. Jesus geht nach der Taufe den steinigen Weg, stellt sich der Versuchung, hält gegen alle Anfeindung an seiner befreienden Botschaft fest und geht für sie in Liebe zu den Menschen in den Tod. Er kann dies, weil das göttliche Du und die Verbindung im Geist ihn seit dem Tag der Taufe tragen.

Was bedeutet die Taufe mit Geist und Feuer für uns? Wozu sind wir bereit, wie weit würden wir gehen? Müssen wir denn gehen? Johannes, der Bote und Zeuge, antwortet: Ja – und wir können neue Wege gehen! Die Kraft des Geistes und des Feuers ist durch die Taufe in uns. Taufe durch Jesus und in seinem Namen meint Umkehr von den eigenen, falschen Wegen, zugleich auch das Zurechtbringen der Welt, Einsatz für die anderen.

Wir sind in der Gemeinschaft der Getauften nicht allein, wir sind viele. Und wir merken es am Beginn dieses Jahres: die Aufgaben sind groß. In unserem Land schwindet das Miteinander, Angst und Unsicherheit führen zu Hass und Wut. Im Nahen Osten toben Kriege, Friede wird nicht mehr gesucht, Geflüchtete aus vielen Regionen der Welt bitten vor unserer Haustür um Hilfe.

In den Versen vor dem Predigttext fragen die Menschen Johannes: Was sollen wir tun? Auf die konkrete Frage gibt Johannes konkrete Antworten: Kleidung und Nahrung teilen, nicht korrupt Schwächen des anderen ausnutzen, die Vollmacht zur Gewaltausübung nicht missbrauchen. – handfestes, alltägliches, tatsächliches Handeln nach der Taufe, und so ist es heute! Wenn die Botschaft der Liebe und Gerechtigkeit glaubwürdig sein soll, dürfen wir nicht vom Untergang des Abendlandes fantasieren, sondern müssen die Gemeinschaft mit allen suchen, die den Frieden wollen – in unserer Nachbarschaft, in unserer Gemeinde, in unserem Land. Wir sollen gastfreundlich sein und Nächstenliebe üben.

Jesus nachfolgen

Mit Jesus ist ein Mensch in der Welt, der den Gotteswillen wirklich erfüllt. Der so lebt, wie Gott es sich für eine(n) jede(n) von uns erträumt. Ein Mensch, der Gott die Ehre gibt, der nicht auf die falschen Götter unserer Glitzerwelt des Scheins setzt. Ein Mensch, der Gott nicht für seine Zwecke missbraucht, sondern fragt, was er für Gott tun kann. So dient Jesus nicht nur Gott, er dient auch den Menschen. Respektiert die Alten, liebt die Kinder. Lügt nicht, stiehlt nicht, reduziert keinen Menschen zum Objekt seiner Begierden. Jedem lässt er seine Würde, erweist ihm den Respekt, der Geschöpfen Gottes zukommt. Und, wichtig, zu betonen: Er wendet keine Gewalt an im Namen seines Gottes, erst recht tötet er nicht. Vielmehr verzichtet er auf alle Macht und geht den Weg des Duldens und des Leidens.

Nachfolge ist möglich in der Kraft des Geistes

Alle sollten wir so leben. Doch immer wieder erleben wir: Wir schaffen es nicht. Jesus aber wurde einer von uns! ER steht mit uns in der Reihe, wenn wir im ernsten Bemühen, die Umkehr zu schaffen, auf Gottes Kraft hoffen. Und er schenkt uns diese Kraft. Wir können etwas tun – nicht aus uns, sondern durch ihn.

Der Himmel möge sich öffnen – dieser alte Wunsch aus der Zeit des Propheten Jesaja hat sich mit Jesus erfüllt. Schuld hatte die Menschen von Gott getrennt. Nun, am Jordan, können es alle erfahren: Die Trennung ist aufgehoben. Gott wendet sich nicht ab. Der Himmel steht weit offen, der Kontakt zwischen Gott und Mensch ist wieder da. In Jesus. Einer von uns, und zugleich auf Gottes Seite. Er ist die Brücke, er macht den Neuanfang möglich.

Gegen allen Augenschein, gegen allen gesunden Menschenverstand werden wir, wenn wir auf Jesus hören, auf Wege geführt, die gut sind. Wir sind getauft. Der geöffnete Himmel gilt auch uns.